Mai 01 2020

Die Industrie und die schwarze Null

Das Coronavirus kam gerade recht. Ermittelte der Tragfähikeitsbericht des Bundesfinanzministers doch erst im Februar, dass es in den nächsten Jahren mit der schwarzen Null nicht mehr so weit her wäre. In dem Bericht wurden damals zwei Szenarien durchgespielt, wie sich die öffentlichen Finanzen in den nächsten 40 Jahren entwickeln könnten. Dabei handelt es sich jedoch immer nur um statistische Wahrscheinlichkeiten, die einmal von der besten und einmal von der schlechtesten Entwicklung ausgehen. Der zentrale Punkt ist dabei die Frage, wie hoch die Einnahmen des Staates in den kommenden Jahren sein werden.

Die beste Variante geht dabei von einer hohen Geburtenrate, einer hohen Zuwanderung und einer konstanten Lebenserwartung aus. Die schlechteste Variante, bezüglich der Einnahmen, geht von einer niedrigen Geburtenrate, einer stagnierenden oder sogar sich verringernden Zuwanderung und einer höheren Lebenserwartung aus. Beide Szenarien erlaubten in den nächsten Jahren keine schwarze Null mehr, obwohl der Staat schon im letzten Bericht darauf hingewiesen wurde.

Beim letzten Szenario ging, nach Spiegelinformationen, der Staat davon aus, dass er ab 2028 in den roten Bereich rutschen und ihm 1,49 Prozent des BIP bzw. 50 Milliarden Euro fehlen würden. Im schlechtesten Szenario rutschte er schon 2024 in die roten Zahlen und müßte auf Einnahmen in Höhe von 140 Milliarden verzichten.

Und nun kam Corona daher und trägt die dünne Sicherung der schwarzen Null von nur wenigen Jahren innerhalb weniger Wochen davon. Um diese Lücke zu schließen, hätte der Staat das Renteneintrittsalter erhöhen müssen, was er jedoch kategorisch ausschloss. Durch Corona wird der Staat nun in der Lage sein, das Renteneintrittsalter zu erhöhen, ohne sein Versprechen es nicht zu tun, zu brechen. Schließlich bestehen jetzt ja völlig andere Voraussetzungen und hat nun einen legitimen Grund. Will er erfolgreich sein, müßte dies schlimmstenfalls innerhalb der nächsten fünf sechs Jahre geschehen – will er einen totalen Zusammenbruch der Wirtschaft vermeiden.

Wenn der Staat jetzt Mut hat, könnte er durch die Krise sogar noch gewinnen. Viele südliche Staaten liegen am Boden. Die Wirtschaften sind keine mehr, die Menschen haben dort nur noch wenige Perspektiven. Eine Steilvorlage, um die deutsche Wirtschaft zu stärken. 

Wenn auch die Industrie den Mut aufbringt, von ihren herkömmlichen Produktionen abzuweichen, wenn sie in der Lage ist ,flexibler zu werden und sich schneller den Bedarfen anpasst, könnte Deutschland durchaus gestärkt aus dieser Krise hervorgehen. Ein Babyboomerjahr wird das Jahr 2020 / 2021 mit großer Sicherheit eh schon werden.

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