Gruseln Sie sich – bewerben Sie sich für einen Award

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Industriepreis, Energy Efficiency Award, Global Supplier Award, E2MS-Award, GreenTec Award, Innovationspreis-IT, die Liste ist beliebig verlängerbar – unmöglich, sie zu vervollständigen.

Jedes größere Unternehmen, das etwas auf sich hält, vergibt einen Award an seine Auftragnehmer, jedes Unternehmen, das etwas auf sich hält, bewirbt sich für einen Award von seinem Auftraggeber. Mag er noch so lausig sein, mit seiner oft gruseligen Darstellung, irgendeiner nicht näher zu erkennenden Figur auf einem Plastikfuß für 8,40 €. Die Hauptsache, es ist ein Preis.

Einige Firmen legen extra Unterseiten auf ihren Homepages an, nur damit sie die Preise, die sie im Laufe der Zeit verliehen bekommen haben, irgendwo auflisten können – dagegen ist das Briefmarkenalbum von Opa Wilhelm öde und verwaist.

Im Büro des Chefs verstauben sie, zur Freude der Putzfrau, auf einem Bord, damit jeder Besucher sogleich beeindruckt noch ein wenig gebeugter vor diesem großen Mann in seinem noch größeren Ledersessel aufmarschiert.

Völlig grotesk wird es, wenn Unternehmen zwangsweise an Verleihungen von Preisen mitwirken, ohne vorher gefragt worden zu sein. Den Vogel schießt aktuell ein Unternehmen mit, nach eigenen Aussagen, 35.000 Zulieferern ab, das regelmäßig rund 60 von ihnen mit einer Preisvergabe „ehrt“. Das krude daran ist, dass sich die Zulieferer nicht einmal dagegen wehren können. Ob sie wollen oder nicht, sind sie Bewerber für diesen Preis – nur weil sie es wagen, dieses Unternehmen zu beliefern. Und freudig überrascht müsse sie bei Erhalt des Preises auch noch sein. Wehe, sie spielen nicht mit….

Da fragt sich der völlig unvoreingenommene Beobachter doch, was diese Praxis soll? Welchen Sinn haben Preise, wenn sie wie Pilze sprießen, wenn es für jedes und alles eine Vergabe gibt? Bekommen wir ihn dieses Jahr nicht, dann eben nächstes Jahr. Und wenn diesen Preis nicht, dann nehmen wir auch einen anderen. Irgendwie wollen sich die Gedanken davon stehlen und bei Carolin Kebekus Zuflucht suchen.

Aber: Es stellt sich die Frage, mit welcher Arroganz und Überheblichkeit sich Unternehmen anmaßen, andere Unternehmen zu bewerten oder abzuwerten, indem sie ihnen den Preis zugestehen oder eben nicht. Im Gegenzug stellt sich gleichsam die Frage, wie Unternehmen dazu kommen, anderen Unternehmen so viel Macht einzuräumen, sich von ihnen bewerten, oder eben abwerten zu lassen. „Du bist nicht gut genug, du erfüllst nicht unsere Anforderungen, du solltest froh sein, dass wir bei dir überhaupt noch kaufen – aber wir könnten auch anders“, signalisiert diese Praxis – und das gegenüber 99,98 Prozent der Lieferanten….. Doch immerhin wurde 0,2 Prozent der Unternehmen bescheinigt, dass sie brav sind.

Kann ein einzelner Kunde so wichtig sein, dass man sich derart demütigen lässt?

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