Jul 16 2020

Lieferkettenkontrolle kein Hexenwerk

Gestern veröffentlichte die Hammaburger Industrie ein Statement des VCI (Verband der Chemischen Industrie e. V.) zur Frage der Lieferkettenkontrolle.

Daraufhin schickten wir dem VCI die vier häufigsten Argumente, die nicht an dieser Kontrolle interessierte Unternehmen vorbringen, wenn es darum geht, keine Lieferkettenüberwachung durchzuführen.

Der VCI hat ausführlich geantwortet.

Argument 1: Stichwort; Kaufkraftniveau. Es wird beklagt, dass beispielsweise ein Bangladeschi nur zwei, drei Euro in der Woche verdient, gleichzeitig wird nicht transportiert, dass die Preise dort um ein Vielfaches niedriger sind, als in der westlichen Welt. Was können Sie dazu sagen?

Antwort des VCI: Die Sustainable Development Goals (SDGs) wurden von den Vereinten Nationen im September 2015 verabschiedet. Sie sind die Basis in allen Unterzeichnerstaaten um die Nachhaltigkeit in den Ländern voranzutreiben. Dabei geht es in den 17 SDG mit ihren 169 Unterzielen stets um einen Dreiklang aus ökonomischer, ökologischer und sozialer Verantwortung. Für Deutschland haben wir mit unserer Initiative Chemie³ im Jahr 2013 die 12 „Leitlinien zur Nachhaltigkeit für die chemische Industrie in Deutschland“ verabschiedet. In diesen sind bereits wichtige Anforderungen der SDGs angelegt. So beinhalten die Leitlinien viele Inhalte, die auch in den SDGs eine wichtige Rolle spielen, etwa der Ressourcen- und Klimaschutz, nachhaltiges Wirtschaftswachstum, Sozialpartnerschaft, betriebliche Umwelt- und Sozialstandards in den weltweiten Wertschöpfungsketten sowie Maßnahmen gegen Kinder- und Zwangsarbeit. Zusammen setzen die SDGs und die Chemie³-Leitlinien den Rahmen für die chemisch-pharmazeutische Industrie in Deutschland, um nachhaltig – ökonomisch, ökologisch und sozial verantwortungsvoll – zu wirtschaften.

Zu SDG 1 (Armut in allen ihren Formen und überall beenden), tragen Unternehmen ganz konkret bei. Beispielsweise:
•           durch angemessene Löhne und Gehälter, reguläre Arbeitszeiten und Sozialleistungen, (sozialpartnerschaftliche Zusammenarbeit und gute Arbeit);
•           durch die Zusammenarbeit mit der Zivilgesellschaft, Behörden und Partnern, um die Infrastruktur und Kommunen zu stärken und zu beleben;
•           durch soziales Engagement im Umfeld internationaler Standorte;

Grundlage für den wirtschaftlichen Erfolg und auch für die Nachhaltigkeit sind immer auch die Beschäftigten. Deshalb investieren Unternehmen auf die verschiedensten Arten in die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Zu welcher Leitlinie oder zu welchem SDG ein Unternehmen besonders viel beitragen kann, muss jedes Unternehmen für sich selbst analysieren. Unterstützung bieten dabei der Chemie³-Leitfaden „SDG-Navigator“ und der Chemie³-Nachhaltigkeits-Check. Diese finden Sie alle online auf unserer Webseite.

 

Argument 2. Beispiel Fairtraide Bananen. Ein Bauer, der unter dem Fairtraid-Siegel arbeitet, erhält für eine 20 kg-Kiste Bananen 20 Cent mehr. Das einzelne Kilo wird hier jedoch statt für 1,19 für 1,79 € verkauft. Gibt es eine Fairtradeentsprechung auch in der Chemie?

Antwort des VCI: Das Lieferkettenmanagement ist im Rahmen von Chemie³ ein wichtiges Thema. Eine ausführliche Darstellung finden Sie hier. Darüber hinaus gibt es in der Chemie schon seit vielen Jahren bewährte Initiativen, die genau hier ansetzen. Beispielhaft möchte ich hier noch Responsible Care anführen, mit dem seit über 30 Jahren in Deutschland ein Beitrag zur Nachhaltigkeit geliefert wird. In der Pressemeldung hatten wir auch bereits auf „Together for Sustainability“ hingewiesen, mehr über diese Initiative finden Sie hier.

 

Argument 3: Wie sollen Unternehmen die Anforderungen der deutschen Regierung praktisch umsetzen?

Antwort des VCI: Mit unserer Initiative unterstützen wir unsere Mitgliedsunternehmen beim Aufbau eines nachhaltigen Lieferkettenmanagements. Einen besonderen Blick werfen wir dabei auf kleine und mittlere Unternehmen (KMU), die besonders von dem oben erwähnten Leitfaden profitieren. In diesem sind die Anforderungen des Nationalen Aktionsplans für Wirtschaft bereits adressiert. In der aktuellen Diskussion um ein mögliches Lieferkettengesetz setzen wir uns für eine praxistaugliche, europäische Lösung ein und möchten diese aktiv und konstruktiv mitgestalten. Für KMU ist es aufgrund ihrer Größe schwierig alle Anforderungen umzusetzen, internationale Konzerne haben teilweise eine sechsstellige Summe an Lieferanten. Hier wäre der Aufwand enorm!

 

Argument 4: Ich kenne die Gesetzgebung in diesen Ländern nicht sehr gut. Aber: Ist ein derartig massiver Eingriff in die Wirtschaft eines Landes nicht als Eingriff in die Souveränität eines Landes zu werten, wenn deutsche Unternehmen ausländischen Unternehmen Herstellungspraxen vorschreiben? 

Antwort des VCI: Die Vereinten Nationen haben 2011 die UN Guiding Principles on Business and Human Rights verabschiedet. Sie sind der globale Rahmen für Wirtschaft und Menschenrechte. Neben der Schutzpflicht des Staates („protect“), tragen selbstverständlich auch die global tätigen Unternehmen Verantwortung für ihre Lieferketten („respect”). Deshalb arbeiten viele Unternehmen in unserer Branche – unterstützt durch die Nachhaltigkeitsinitiativen Chemie³ und Together for Sustainability – seit Jahren intensiv daran, ein Lieferkettenmanagement zu implementieren und dieses stetig zu verbessern. In diesem Fall sieht es so aus, dass Unternehmen bei der Auftragsvergabe Auflagen festlegen würden. Sie legen also die Voraussetzung für die Zusammenarbeit fest. Folglich können Lieferanten selbst entscheiden, was sie umsetzen wollen, um einen Vertrag zu erhalten. Schwieriger ist eher, dass Unternehmen keine Zugriffsrechte im Land haben, aber in Deutschland in die Haftung genommen werden sollen.

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