In Norddeutschland gibt es ideale Produktionsbedingungen

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Nortec.

Interview mit Joachim Klaus, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Leser GmbH & Co. KG

Welche Bedeutung haben Sicherheitsventile für moderne Produktionsanlagen?

Klaus: „Sicherheitsventile machen nur weniger als 0,001% des Wertes einer Neuanlage aus, können aber großen Einfluss auf die Lebenszykluskosten haben. Und es werden mehrere Hundert Stück pro Anlage verbaut – eine enorme Bedeutung für den risikoarmen und effizienten Betrieb der Anlage. Am Ende kann das Ventil den entscheidenden Unterschied machen.“

In welchen Branchen kommen Ihre Sicherheitsventile zum Einsatz?

Klaus: „Unsere Ventile sichern Dampfkessel, Druckbehälter oder Rohrleitungen. Sie werden zum Beispiel bei der Ölförderung eingesetzt, um Unfälle auf Bohrinseln zu verhindern oder für Abfüllanlagen in Brauereien. Unsere Kunden sind oft die großen Player im Markt. Manchmal aber ist es auch die kleine Wäscherei um die Ecke. Für uns bedeutet das, dass wir unsere Produkte immer an die konkrete Situation unserer Kunden anpassen – etwa wenn es um die Oberflächenbeschichtung der Ventile geht oder um die Größe.“

Die Entwicklung geht immer mehr in Richtung individualisierte Lösungen. Welche weiteren Trends beobachten Sie?

Klaus: „Der Anteil des DTO-Geschäfts (Design to Order) steigt. Schon heute ist jeder zweite Auftrag „nicht Standard“. Wir sind dafür durch die Segmentierung der Fertigung und durch neue IT-Systeme und -prozesse gut gerüstet. Ein weiteres zentrales Thema ist die Effizienzsteigerung. Wir versuchen unseren Kunden auf allen Ebenen Vorteile zu verschaffen – Zeitersparnis durch Bestellungen per EDI, Termintreue bei der Lieferung, umgehende Beschaffung von Ersatzteilen. Ein ganz zentraler Punkt ist die Dichtigkeit. Um eine möglichst hohe Dichtigkeit unserer Ventile zu gewährleisten, haben wir in der Vergangenheit ein gemeinsames Projekt mit dem Fraunhofer Institut durchgeführt. Das Ergebnis nennen wir Nanotightness. Unsere Ventile übertreffen den vorgeschriebenen Standard um 50 Prozent. Damit senken wir die Kosten durch Medienverlust, vermeiden Emissionen und erhöhen die Effizienz der Anlage. Ein weiterer Trend ist schließlich Industrie 4.0 – also die Online-Begleitung von Produktionsprozessen. Hier bieten wir unseren Kunden eine lückenlose Dokumentation an.“

Welche Rolle spielen in diesem Zusammenhang Innovationen?

Klaus: „Der Konkurrenzdruck steigt. Wie in jeder anderen Branche gibt es auch bei uns viele Trittbrettfahrer, die mit Imitaten das Geschäft gefährden. Unsere Antwort auf Produktpiraterie ist Geschwindigkeit. Denn wer nur kopiert, wird dem Markt immer hinterherhinken. Wir gehen lieber weiter voran und werden technisch immer besser. Grundsätzlich bedienen wir nicht nur Kunden-bedürfnisse, sondern entwickeln auch eigenständig bessere Lösungen. So haben wir zum Beispiel ein API-Ventil für den amerikanischen Raum entwickelt, bei dem der Schließdruck nicht länger manuell eingestellt werden muss. Außerdem haben wir anwendungsbasierte Lösungen für unsere Kunden, also standardisierte Konfigurationen für besonders anspruchsvolle Anwendungen zum Beispiel Düngemittel.“

Stichwort Zertifizierung: Anforderungen an Prüfungen und Dokumentation steigen ständig. Wie geht Leser damit um?

Klaus: „Gerade die marktführenden Unternehmen haben eigene Normen und Standards, wie sie Ventile zusätzlich zu den geltenden Bestimmungen geprüft haben wollen. Da gibt es ausgefeilte Testverfahren, die wir mit einem Netz von spezialisierten Partnern, vor allem aber inhouse durch-führen.“

Die Preise in der Branche gleichen sich immer mehr an. Was muss man über ein faires Preis-Leistungs-Verhältnis hinaus bieten, um Kunden zu gewinnen?

Klaus: „Der Preiswettbewerb ist knallhart. Wir haben daher insgesamt sechs Service-Felder definiert, auf denen wir unseren Kunden den entscheidenden Mehrwert bieten. Entscheidend ist, dass wir unsere Kunden nicht nur kurzfristig mit einer Lösung versorgen, sondern sie kontinuierlich begleiten und ihnen zu jedem Zeitpunkt eine Lösung für ihre Bedürfnisse bieten. Bei uns wissen Kunden, dass sie umfassend betreut werden.“

Sie produzieren hauptsächlich im schleswig-holsteinischen Hohenwestedt. Was schätzen Sie an diesem Standort?

Klaus: „Weltweit arbeiten rund 800 Mitarbeiter für Leser und die acht Tochtergesellschaften. Wir haben seit vielen Jahren einen eigenen Standort in Indien, weil der dortige Markt ganz eigene Standards hat und mit Importen nur schwer zu bedienen ist. Demnächst eröffnen wir auch einen Standort in China. Für alle anderen Kunden aus dem internationalen Markt aber produzieren wir in Hohenweststedt. Das ist für uns strategisch von enormer Bedeutung. Die Zentralisierung am Standort in Schleswig-Holstein bietet uns die Möglichkeit, Know-how zu bündeln und Prozesse zu verschlanken. Wir arbeiten mit hochspezialisierten Werkzeugmaschinen, die individuell für den konkreten Bedarf entwickelt werden, um möglichst exakte Ergebnisse zu liefern. Das unterscheidet uns von unserer Konkurrenz. Um diese aber finanzieren zu können, brauchen wir hohe Auftragsvolumina. Die Zentralisierung hilft uns dabei, das zu erreichen. Dadurch können wir Produktreihen und Teilefamilien etablieren.“

Wie beurteilen Sie die allgemeine Standortqualität in Norddeutschland?

Klaus: „Wir treffen hier auf ideale Bedingungen. Unser Ruf als Arbeitgeber in der Region ist her-vorragend, was uns eine hohe Qualität der Bewerber aus ganz Deutschland sichert. Unsere Mitarbeiter – Ingenieure, Kaufleute und Vertriebs- und Marketingspezialisten – wiederum profitieren von unserem internationalen Netzwerk, dem engen Draht zur Forschung an den Hochschulen, von Kooperationen mit der Innovations Kontaktstelle Hamburg sowie der Möglichkeit, sich individuell nach den eigenen Interessen zu entwickeln.“

Im nächsten Jahr findet erneut die NORTEC, Fachmesse für die Produktion im Norden, statt. Welchen Stellenwert hat diese Messe für Ihr Unternehmen?

Klaus: „Die Nortec ist für uns ein absoluter Pflichttermin. Alle wichtigen Anbieter aus der Industrie sind dort vertreten. Ich schätze vor allem die intensive Atmosphäre. Man kommt schnell in Kontakt, erfährt neueste Trends und kann sich in den Seminaren fortbilden. Der persönliche Austausch ist enorm wichtig. Außerdem gibt es bei der Nortec immer auch die Chance auf einen Lucky Punch. Wir haben dort zum Beispiel einen unserer größten Werkzeugmaschinenlieferanten kennengelernt, mit dem wir seitdem mehrere Projekte in großem Umfang realisieren. Ein Besuch der Nortec ist also auf vielen Ebenen gewinnbringend.“

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Über die Leser GmbH und Co. KG

Wenn es um Sicherheitsventile geht, ist die Leser GmbH erste Wahl. Das Traditionsunternehmen blickt auf fast 200 Jahre Firmengeschichte zurück und ist seit 1970 auf die Fertigung der anspruchsvollen Ventile spezialisiert. In Europa sind die Hamburger in dieser Sparte Marktführer, weltweit liegen sie auf Platz 3. Ob für die Chemie-, Öl- und Gasindustrie, Pharma- oder Lebensmittelbranche: Rund 130.000 Ventile fertigt das Unternehmen jedes Jahr und liefert sie in 85 Staaten rund um den Globus. Gesamtumsatz: 100 Millionen Euro. Eingebaut werden die Ventile in Produktionsanlagen. Bei der Nortec – der Fachmesse für Produktion im Norden – ist das Unternehmen Stammgast.

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Über die Nortec

Die NORTEC ist die Fachmesse für Produktion im Norden und Treffpunkt der Entscheider. Sie findet 2016 zum 15. Mal in Hamburg vom 26. bis 29. Januar statt. Abgebildet werden alle Stationen der Wertschöpfung der Produktions- und Fertigungstechnik. Neue Technologien in der Metallbe- und -verarbeitung, Laser, Automation und Elektronik stehen im Mittelpunkt. Hersteller und Händler von Maschinen und Anlagen, Werkzeugen, Steuerungen, Messtechnik stellen ihre Produkte aus, Zulieferer und Auftragsfertiger bieten ihre Leistungen an. Anbieter zu den vor- und nachgelagerten Stationen der Wertschöpfungskette wie Konstruktion, Berechnung und Simulation, Steuerung, IT, Logistik sowie Qualitätskontrolle und Service runden das Spektrum ab. Weitere Informationen unter www.nortec-hamburg.de.

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