Schonende Holzernte auf sechs Füssen

Portalharvester  Foto: TU Darmstadt
Portalharvester
Quelle: TU Darmstadt

Wissenschaftler der TU Dresden haben zwei Spezialmaschinen entwickelt, mit denen auch in eigentlich unbefahrbaren Waldgebieten eine mechanische Holzernte möglich ist, ohne den Waldboden stark zu schädigen. Erdacht und konstruiert wurden sie an der Professur für Forsttechnik unter der Leitung von Prof. Jörn Erler am Standort Tharandt. Beide Geräte, der Portalharvester und der Flachlandseilkran, wurden bei den Thementagen des Kuratoriums für Waldarbeit und Forsttechnik (KWF) in Mecklenburg-Vorpommern vorgestellt. Die Ideen stammen ursprünglich von Christian Knobloch, damaliger Maschinenbaustudent im Fach Technisches Design und damaliger Doktorand an der TU Dresden. Die technische Umsetzung erfolgte gemeinsam mit Industriepartnern.

Die neue Technologie ist vor allem für nasse bis moorige Wälder in der Ebene ausgelegt. Sie sind für schwere Maschinen kaum befahrbar, zudem verursachen sie oft immense Schäden am Waldboden. Leichtere Maschinen, die mit den Gegebenheiten besser zurechtkommen, sind dafür weniger wirtschaftlich. Mit Hilfe der beiden neu entwickelten Maschinen ist es künftig möglich, eine schonende, sichere und wirtschaftliche Holzernte auch in sensiblen Waldgebieten mechanisch durchzuführen. Konzeptionell wird an der gängigen Zweiteilung der Prozesse festgehalten. Der Harvester fällt, entastet und schneidet das Holz zu, das dann mit einer geeigneten Technik gerückt wird.

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Flachlandseilkran Quelle: TU Darmstadt
Flachlandseilkran
Quelle: TU Darmstadt

Der Portalharvester basiert auf einem völlig neuen patentierten Bewegungsprinzip. Er fährt nicht, er schreitet auf insgesamt sechs Beinen, verteilt auf zwei Standbasen. Sie sind durch eine zehn Meter lange Überfahrbrücke verbunden, auf der sich der Oberwagen mit Kabine, Kran und Motor bewegen und eine rund 500 Quadratmeter große Fläche bearbeiten kann. Soll der Standort verlagert werden, zieht er die Brücke ein, schwenkt sie nach vorn und verlegt sie wieder neu. Die sechs Füße sind austauschbar und können so den unterschiedlichen Bodenbeschaffenheiten angepasst werden. Der Bodenkontakt beschränkt sich auf weniger als ein Prozent der bearbeiteten Waldfläche, was den Einsatz äußerst bodenschonend macht.

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Für das Rücken haben die Wissenschaftler das Prinzip des europäischen Seilkrans mit stehendem Tragseil weiterentwickelt. Der „Flachlandseilkran“ unterscheidet sich von bisher verwendeten Seilkränen dadurch, dass er ohne natürlichen Anker auskommt und unabhängig von natürlichen starken Bäumen arbeitet, also ohne Sattelbäume oder Endbaum. Das Tragseil wird zwischen dem Hauptmast auf dem Trägerfahrzeug und dem Endmast in fast 16 Metern Höhe gespannt. Darauf fährt der ebenfalls neu entwickelte Laufwagen, der das Holz so hoch hebt, dass ein Schleifen über den Waldboden vermieden wird. Dieses Verfahren ist nicht nur technisch effizienter, sondern auch ökologisch verträglicher als das konventionelle Schleiftragen.

Portalharvester und Flachlandseilkran können unabhängig voneinander eingesetzt werden. Ihre besondere Stärke entfalten die Maschinen aber gemeinsam.

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