Technologiemanagement – Lehrbuch

Lehrbuch: Technologiemanagement Foto Fraunhofer IAO

Lehrbuch: Technologiemanagement Foto Fraunhofer IAO

Technologiemanagement: Grundlage, Konzepte, Methoden Dieter Spath und Christian Linder; Sven Seidenstricker
Broschiert: 300 Seiten
Verlag: Fraunhofer Verlag
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3839603536
ISBN-13: 978-3839603536
Preis: 40,- Euro

 

Technologiemanagement ist eine interdisziplinäre Wissenschaft, bei der es um die Planung neuer Technologien geht, wie ein Konzept für eine Innovation erstellt und wie die Kontrolle sowohl über die Planung, als auch über die Innovation behalten werden kann. Eng verknüpft ist das Technologiemanagement mit der Technologiefolgenabschätzung (oder auch Technikfolgenabschätzung, Technologiebewertung, Technikbewertung). Diese geht einen Schritt weiter, indem sie die Entwicklungen innerhalb der Wissenschaften beo-bachtet, analysiert und deren Risiken und Nutzen für die Gesellschaft gegeneinander abwägt.

Das vorliegende Lehrbuch bietet die Grundlagen zu diesen beiden Themengebieten. Zwar beziehen sich die Inhalte des Buches vorwiegend auf die komplexen Prozesse innerhalb von Firmen, doch suchen sich wissenschaftliche Einrichtungen, wie beispielsweise die Fraunhoferinstitute, immer häufiger Partner in der freien Wirtschaft. Und diese erwarten regelmäßig ein marktrelevantes Ergebnis. Forschen um des Forschens willen, wird immer schwieriger und bei wirtschaftsabhängigen Institutionen, wie Fraunhofer beispielsweise, nur noch bedingt möglich. Nicht umsonst kommt es bei Fraunhofer immer häufiger zu Ausgründungen, um die Produkte, die zuvor entwickelt wurden, dem Markt zur Verfügung zu stellen. Dabei ist es gleich, ob es sich um einen Roboter handelt, der mit dem Menschen direkt interagieren kann, um Genmanipulation oder Windenergieanlagen. Ohne das Wissen um diese Zusammenhänge, sind Personen, die damit konfrontiert sind, kaum fähig, Innovationen im Kontext ihrer Entwicklung und Auswirkungen auf die Gesellschaft zu beurteilen.

Das Buch ist gut zu lesen, ohne übertriebene Einlassungen oder gar verschwurbelte Formulierungen, die nur dem Autor huldigen sollen. Vielmehr weist das Buch eine klare Sprache auf, die sachlich an einem roten Faden durch die Thematik führt. Fachbegriffe werden in ihrem Kontext erläutert und erst dann in späteren Abschnitten als gesichertes Wissen des Lesers, eingesetzt.

Das erste Kapitel befasst sich mit den Grundlagen und dem Grundverständnis des Technologiemanagements, mit seinen Begrifflichkeiten und seiner Systematik innerhalb der Gesellschaft. Am Ende des Kapitels kennt der Leser, verschiedene Ausprägungen von Innovationen und welche Bedeutung sie haben, wel-che Akteure sowohl zum Technologiemanagement, als auch zur Technologiefolgenabschätzung gehören.

Das zweite Kapitel „Technologiefrühaufklärung“ zeigt Möglichkeiten des Vorgehens bei der Beobachtung und Bewertung technologischer Entwicklungen und Trends. Verschiedene Methoden werden dabei teils sehr detailliert vorgestellt. Ziel dieses Kapitels ist es, die verschiedenen Methoden zur richtigen Zeit einset-zen und anwenden zu können.

Im dritten Kapitel: „Konzepte und Strategien des Tech-nologiemanagements“, gehen die Autoren speziell auf Innovationen in Unternehmen ein. Doch dieser Um-stand ist ohne Weiteres auch auf wissenschaftliche Institutionen übertragbar. Der Leser weiß danach auf jeden Fall, wie er technische Entwicklungen hinsicht-lich ihres Entwicklungspotenzials und der Substituti-onsgefahr einzuordnen hat und wie er diese Innovatio-nen mit anderen, am Markt vorhandenen Innovationen, adäquat vergleichen kann. Das Technologielebenszyk-luskonzept, das sich auf die Ausbreitung von Techno-logie bezieht, wird genauso angesprochen, wie Tech-nologiestrategiebestimmungen, Joint Ventures oder die verschiedenen Möglichkeiten der Technologiever-wertung.

Das vierte Kapitel beschäftigt sich mit dem Innovationsmanagement in Unternehmen und macht gleich am Anfang einen üblen, üblen Schnitzer. Tatsächlich geht das Kapitel von der Grundvoraussetzung aus, dass die Bedürfnisse, Wünsche und Vorstellungen des Kunden Ausgangspunkt für alle Innovationen seien. Fakt ist jedoch, dass der Kunde in aller Regel nur das will, was er kennt und seine Vorstellung oft nicht darüber hinausgeht. Das führt zu der grotesken Situation, dass innovative Unternehmen, erst einmal das Produkt auf den Markt werfen und dann beginnen, den Kundenwunsch zu wecken. Das führt weiter zu der Situation, dass Produkte mit vielen Funktionen entwickelt werden, die kein Mensch, schon gar nicht der Kunde, benötigt (mein Handy kann die Waschmaschine steuern, Simsen, Fotos schießen, mit meinem Auto reden, die neuesten Nachrichten abrufen – ach ja, und telefonieren kann man damit auch). Aufgrund dessen ziehen die Autoren auch die falsche Schlussfolgerung, dass die Innovationsfähigkeit eines Unternehmens Voraussetzung zur Wettbewerbsfähigkeit sei. Dieser Folgerung kann die Hammaburger Industrie in keiner Weise zustimmen. Fühlen sich doch viele Konsumenten schon mit den vorhandenen Innovationen überfordert.

Ein Beispiel: ein Aufnahmegerät, welches mit einer dicken Gebrauchsanweisung in 22 Sprachen geliefert wird. Jeder Sprache sind nur sechs Seiten gewidmet. Fordert der Kunde eine lesbare Ausgabe der Gebrauchsanweisung in seiner Sprache (in diesem Falle deutsch) an, bekommt er ein 193-seitiges PDF-Dokument, welches ihm jede Menge Funktionen dieses Gerätes im Detail offeriert. Das Problem ist jedoch, dass der Kunde die meisten dieser Funktionen nicht nutzen kann; einerseits, weil er sie nicht benötigt, andererseits, weil das Gerät nur 8 Tasten hat, jede Funktion über die Kombination von drei bis vier Tasten ausgeführt werden muss und sich der Kunde diese Menge gar nicht merken kann. Gleichzeitig kann man ihm jedoch auch nicht zumuten, eine 193-seitige Gebrauchsanweisung mit sich herumzuschleppen. Das führt zu der absurden Situation, dass der Nutzer ein Hochleistungsaufnahmegerät für fast 200,- Euronen in Händen hält, mit dem er nur Interviews aufnimmt und wieder abhört……..

Dennoch sind die Einlassungen bezüglich des Managements der Innovationen korrekt dargestellt. Hier geht es beispielsweise um die Rahmenbedingungen der Produktentwicklung wie die innerbetrieblichen Abläufe, Arbeitsbedingungen bei der Herstellung, dem Arbeitsmarkt, aber auch politische und rechtliche Rahmenbedingungen.

Das fünfte Kapitel stellt die häufigsten Formen von Organisationstypen in technologieorientierten Unternehmen vor. Welche Vor- und Nachteile bieten die Organisationstypen, wann eignet sich welche Form und welche Risiken und Gefahren bieten sie.

Das sechste und letzte Kapitel befasst sich mit dem Management von Technologie- und Innovationsprojekten. Welche Lobbygruppen sind zu berücksichtigen, was kann ein Unternehmen tun, wo würden Markteintrittsbehinderungen durch Konkurrenten entstehen. Wie erstellt das Unternehmen einen Ressourcenbedarfsplan, wie wird das Projekt dokumentiert, und warum ist eine Dokumentation notwendig.

Das Buch wird durch Leerseiten für eigene Aufzeichnungen und Kontrollfragen zu den einzelnen Kapiteln komplettiert.

Ein hervorragendes Literaturverzeichnis, welches einerseits viele deutsche Titel auflistet, andererseits auch die Nebenthemen wie Technikfolgenabschätzung, Technologiebewertung, Technikbewertung etc. mit einbezieht, rundet das Buch ab.

Ein zweiter übler Schnitzer ist allerdings ein fehlendes Schlag- / Stichwortverzeichnis. Für so ein mächtiges Lehrbuch eine eher unglückliche Situation. Lernen Studenten doch leider nicht nach einer bestimmten Reihenfolge. Dafür hat es allerdings ein aussagekräftiges Inhaltsverzeichnis. Dennoch, wer noch nie mit dem Thema in Berührung gekommen ist, bei dem geht die Sucherei los.

Fazit: Ein trotzdem wirklich empfehlenswertes Buch, welches es dem verständigen Lernenden auf jeden Fall gelingen lassen sollte, die Thematik auf breiter Basis zu verstehen.

 

 

 

 

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